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Russisches Roulette /// Lust auf ein Spiel (1/2)

Es kam der Tag, an dem das Schicksal eine weitere Prüfung für uns bereithielt und entschied, an unserem mittlerweile vertrauten Spielplatz zurückkehren zu wollen.
„Wollen wir nicht lieber an einem anderen Abend gehen?“, begegnete sie mir, während sie nachdenklich an sich herunter schaute.
„Für Billard fühle ich mich ehrlich gesagt etwas overdressed.“
Ich dachte daran, dass es mir überhaupt nicht um das Spiel, sondern um mein Spiel ging und das ich zwar weiterhin versucht war, das Spielfeld lediglich behutsam zu betreten, mich letzten Endes jedoch der scheinbaren Notwendigkeit eines weiteren Moments wie diesem durchaus fügen wollte und beharrte weiterhin auf meiner Idee.
„Passt doch?“, gab ich verlogen zurück.

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About Olivia /// Das verschwommene Gefühl

Sommerferien. Weit weg von zu Hause irgendwo am Meer. Für mich bedeutete die Anwesenheit an diesem Ort, zu Hause nicht erwünscht zu sein, regelrecht verbannt zu sein. Während dieser Zeit lernte ich ein anderes Mädchen kennen, ein Mädchen, der es augenscheinlich ebenso ging und verbrachte die meiste Zeit mit ihr.
Wir versuchten, das Beste aus unserem Dasein zu machen, schließlich war halbes Leid geteiltes Leid. Während sich die anderen von Anfang an draußen beschäftigten, hielt es uns die meiste Zeit drinnen.
Unsere Doppelstockbetten waren prädestiniert für Spiele, sowohl auf dem Boden, als auch in luftiger Höhe und so sorgte unsere kindliche Phantasie dafür, dass unsere Betten fortan keine Betten mehr waren, sondern kleine Gebäude, bei denen es galt, den Fußboden nie mehr wieder zu berühren.
Unsere Matratzen fortan keine Matratzen mehr, sondern schwere Platten, die wir versuchten, im Laufe der Spiele über uns zu legen und uns durch die Bewegungsunfähigkeit des anderen zum Sieger zu erklären.

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About Olivia /// Samtig weicher Bezug

Sobald wir vor der Bar eingeparkt hatten, musste ich immer wieder auf die dezente, doch gleichermaßen auch anziehende Leuchtschrift des Namens Lollipop starren. Wie eine Mücke vom Licht schien ich von diesem Schriftzug angezogen zu werden. Der Name war direkt über der Eingangstür angebracht und erstrahlte in wunderschönem Rot. Jeweils links und rechts vom Eingang brannten mehrere Fackeln, die das verruchte Leben im Inneren der Bar übertrieben festlich ankündigten.
Je mehr wir uns der Eingangstür näherten, desto mehr begann ich ein immer wiederkehrendes Surren wahrzunehmen. Als wir die Tür schließlich erreicht hatten, schien das Geräusch wie ein quälender Atem von innen gegen sie zu schlagen und sich mit aller Macht befreien zu wollen. Aufgeregt spähte ich durch die seltenen Töne hindurch.
Nachdem er ein zweites Mal geklingelt hatte, öffnete sich die Tür wie von Geisterhand und gab den unterdrückten Bass überhastet frei.

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