Fußboden, Wände, jedes einzelne Detail war mit dunklem Marmor getäfelt und vermittelte etwas Düsteres und undurchdringlich Kaltes. Unterstrichen wurde die geisterhafte Atmosphäre durch das indirekte Licht, welches das Atrium beleuchtete. Während ich durch die Halle schritt, hallten meine metallenen Absätze durch den Raum.
Ich schaute mich um und ließ meine Blicke kreisen. Nirgends fand ich auch nur einen Hinweis auf das Restaurant. Ich wandte mich wieder dem Ausgang entgegen, als ich direkt daneben einen Empfang erkannte. Erneut hallten die Absätze durch den Raum. Ich lehnte mich gegen den glatten Stein und schaute auf die andere Seite des Tresens. War ich hier überhaupt richtig?
Russisches Roulette /// Provokation romantischer Art (2/2)
„Hi Schatz. Treffe mich gleich mit Alex. Bis später.:-*“, las ich die Nachricht, die mich im selben Moment erreichte.
„Viel Spaß und noch viel mehr Erkenntnisse!“, schrieb ich aufgeregt zurück.
Meine durchaus aufrichtig gemeinten Worte hatten in ihr den Wunsch geweckt, mit ihm endlich darüber sprechen und ihn, entgegen ihrer Gewohnheit, ein zweites Mal sehen zu wollen. Das ich diesem Vorhaben auch nach ihrem Entschluss positiv gegenüber stand, erachtete ich als selbstverständlich, schließlich war ein Mann ein Wort. Dennoch, je mehr Zeit verging, desto mehr wurde das Einvernehmen zu einem Geduldsspiel. Immer wieder musste ich an sie denken und begann mir jedes Mal aufs Neue vorzustellen, wo sie gerade waren und was sie in diesem Moment taten. Stunden später erhielt ich endlich eine weitere sms.
Russisches Roulette /// Provokation romantischer Art (1/2)
„Ich treffe mich heute Nachmittag mit einer Jugendliebe.“
Neugierig blickte ich auf.
„Ok?“
„Obwohl das alles schon sehr lange her ist, gratuliert er mir noch immer jedes Jahr zum Geburtstag.“
„Du hattest doch schon letzte Woche Geburtstag?“
„Und an diesem Tag hat er sich auch bei mir gemeldet. Es ist nur so, dass wir uns kurz danach einmal treffen.“
Stille.
„Nur so?“
About Olivia /// Wie ich Dir so Du mir
Während ich es mir auf meiner Terrasse gemütlich machte, spürte ich, wie die Erinnerung ein weiteres Mal in mein Bewusstsein drang. Drei Wochen waren mittlerweile vergangen und noch immer schaute ich auf den kurzen aber sehr intensiven Moment.
Ich hatte meinem Freund bis heute nichts davon erzählt und besaß auch jetzt die Gewissheit, es dabei zu belassen. In Bezug auf unser gemeinsames Leben hatte er in der letzten Zeit immer wieder von einem sicheren und vertrauensvolleren Umgang gesprochen.
Wollte er es sicherer und vertrauensvoller machen, weil ihm beides mittlerweile fehlte? Auf Grund der gemeinsamen Erlebnisse mittlerweile durchaus zurecht fehlte? Was war mit meinem eigenen, innerhalb dieser Partnerschaft existierenden Leben? Je sicherer und vertrauensvoller es werden sollte, desto misstrauischer und unsicherer wurde ich.
Russisches Roulette /// Eine zum Gefühl gewordene Instanz
Wie weit war ich wirklich bereit zu gehen? Und was ebenso von Belang war, wie weit war sie bereit mitzugehen? Meine Phantasien waren mehr als das was wir beide bisher zusammen erlebt hatten, geschweige denn was ich ihr gegenüber bisher offenbart hatte.
Wenngleich sie mir hin und wieder anvertraut hatte, dass sie mein Kopfkino während gewisser intimer Momente allein und auch zu zweit mitunter begleitet und auf überraschende Weise unglaublich erregt hatte, es blieb eine Phantasie.
Und auch wenn wir nach dem gemeinsamen Sex das ein oder andere Mal darüber gesprochen hatten und ich mein Bestes tat, um glaubhaft zu versichern, dass das was ich von mir gegeben hatte vollkommen ernst gemeint war und ihre Reaktion daraufhin mehr Akzeptanz denn Ablehnung beinhaltet hatte, es blieb ein Dialog.