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Märzgeburt /// Tanzende Engel

Mit allem hatte ich gerechnet. Mit einem Bordell, mit einem Hotel aber nicht mit einer Kirche. Eine unüberschaubare Menschenmenge zierte den Eingang und kündigte den Stellenwert des Paradiso im Amsterdamer Nachtleben an. Sobald wir aus der Limousine gestiegen waren, wurden wir von Türstehern und wartenden Gästen gleichermaßen registriert. Schnell zogen mich meine Begleiter in ihre Mitte und manövrierten mich zum reich verzierten Tor. Ohne auch nur einen Moment warten zu müssen, betraten wir, das Bild der weit nach oben ragenden Gotik hinter uns lassend, den blasphemisch anmutenden Club.

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Russisches Roulette /// Unverhofft kommt oft (2/2)

Kaum hatten wir die Bar betreten, erkannte ich Tom am Tresen, wanderte sein Blick unabhängig ihrer geschweige denn meiner Kenntnisnahme auf den selbst in der Dämmerung des Raumes unbeschreiblich glänzenden Rock.
„Du bist Tom?“, eröffnete sie das Gespräch sobald wir uns zu ihm gesellt hatten.
„So vorwurfsvoll wie das gerade klingt, scheinst Du bereits einiges über mich gehört zu haben.“
„Nicht der Rede wert.“, versuchte sie ihr Wissen über ihn erfolgreich zu leugnen. Obschon sie gerade überzeugend genug geklungen hatte, blieb er seinem Blick auf sie treu.
„Außer das Du es faustdick hinter den Ohren hast.“, schmunzelte sie verräterisch hinterher. Pikiert starrte ich sie an.
Schweigen.

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Russisches Roulette /// Unverhofft kommt oft (1/2)

Dem Ende der im Zuge eines Kennenlernens häufig gelebten Isolation als eigenständiges Individuum immer mehr entgegen sehend, verspürte ich den Wunsch, mich bei meinen Freunden, nunmehr vorwiegend in Begleitung von Olivia, wieder öfter sehen zu lassen und ihnen zu zeigen, dass es mich entgegen ihrer Meinung durchaus noch gab.
Unterdessen mich dieses Vorhaben bereits seit geraumer Zeit beschäftigte, war ich jedoch bei einem von ihnen immer wieder ins Stocken geraten. Schon bei dem leisesten Gedanken daran, verspürte ich die Gewissheit, dass sich beide sehr gut verstehen würden und hatte die Zufälle, die jedes Mal zu einer Absage geführt hatten wohlwollend zur Kenntnis genommen.

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Märzgeburt /// Nichtachtung

„Es geht mich im Grunde genommen nichts an, aber passen Sie bitte auf sich auf.“, sprach sie mich plötzlich unverhofft an. Ohne ein weiteres Wort zu verlautbaren, verließ sie wieder den intimen Ort und ließ mich umgeben von einer eigenartigen Ruhe zurück. Je mehr Zeit verging, desto mehr wusste ich nicht so Recht, was ich von ihren Worten halten sollte und stützte mich auf dem Granit des Waschtischs ab. Auf der einen Seite war ich über ihre Sorge dankbar, auf der anderen Seite erinnerte ich mich an den beschlossenen Deal. Nicht des Deals wegen, sondern des berauschenden Gefühls wegen, das ich seit der Anwesenheit beider Männer spürte. Ich erinnerte mich an die sympathischen Momente charmanter Konversation. An Momente zwischenmenschlicher Annäherungen, an seine Hand, die noch immer in meinem Schritt zu spüren war. Unseriös war in meinen Augen etwas anderes. Wenn überhaupt, dann gehörte ich in die Ecke zweifelhafter Charaktere.

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