Ich wurde das Gefühl nicht los, dass ihre Worte lediglich ein weiterer Versuch waren, meiner aufrichtigen Zustimmung näher zu kommen und ihre eigenen, verdorbenen Gedanken mit einem Gewissen zu versehen und tat ihre rebellische Art mit einer gehörigen Portion Gleichgültigkeit ab.
„Begehrst Du mich wirklich?“, fragte sie mich wenige Tage später aus dem Nichts.
„Stelle Dir vor, Du würdest die vollkommene und zweifelsfreie Gewissheit leben, dass ich Dich über alles begehre, dass es für mich im selben Atemzug dennoch unglaublich wichtig wäre, dass Du Deine Verbindung zu Alex noch einmal prüfst. Was würdest Du denken und was noch viel entscheidender wäre, was würdest Du fühlen?“
Hilfesuchend blickte sie sich um.
„Erleichterung?“, wagte sie sich behutsam vor.
„Vielleicht aber auch nur Verwirrung! Ich weiß es nicht. Hast Du denn keine Angst davor, dass Alex und ich uns wieder näher kommen könnten?“
„Nein? Ich finde die Vorstellung, dass genau das passieren könnte sogar unglaublich sexy!“
Ungläubig starrte sie mich an.
Je länger ich sie bei diesem Gedanken anschaute, desto deutlicher spürte ich den Rausch in meinem Schwanz, desto zielstrebiger wanderte eine Hand in meinen Schritt.
Alles oder nichts lautete die Maxime, der ich in diesem Moment folgte, um endlich Klarheit zu erhalten. Für mich. Für sie. Für uns beide. Je fordernder ich mich schließlich berührte, desto angestrengter wurde ihr Blick.
„Was bist Du für ein Arschloch, dass Du diese unschuldige Verbindung dermaßen prüfst? Alex ist meine Jugendliebe. Möchtest Du diese Erinnerung wirklich unter allen Umständen ein für alle Mal zerstören?“
Schweigen.
„Meine Gedanken sind das eine. Doch weißt Du was ich glaube? Dass Deine so grundlegend anders gar nicht sind! Mag sein, dass ich Deine Verbindung zu ihm gerade prüfe, doch im selben Augenblick prüft diese Verbindung auch Dich!“
„Was meinst Du damit?“
„Dass Du was mich betrifft möglicherweise recht hast, dass Du aber auch nicht einen Deut besser bist als ich, dass in Dir genau so viele unverdorbene und unmoralische Phantasien toben, wie in mir, dass Du in Alex genau so eine Chance siehst, gewissen Vorstellungen auf intimem Wege zu folgen wie ich, dass Du mit Deinen Gedanken in den letzten Tagen permanent bei ihm bist und Du ihm ununterbrochen schreibst.“
Schweigen.
„Und weshalb? Weil Du seit Beginn an Deine perfiden Absichten hegst und mich damit manipulierst. Es sind Träume, Phantasien, mehr nicht. Was ist, wenn Du plötzlich aufwachst und es nicht mehr sexy sondern unglaublich verletzend findest, wenn aus Deiner Erregung Deine Eifersucht wird?“
„Dann wäre unser Sex nur um so leidenschaftlicher!“, flirtete ich sie aus dem pechschwarzen Schatten der Lust verwegen an und lenkte ihren Blick wieder auf meinen Schritt.
„Ich glaube, dass Du bei eurem letzten Treffen einfach deshalb nicht tiefgründiger geworden bist, weil Du ihn attraktiver findest, als Du Dir selbst eingestehen möchtest, weil Du Respekt davor hast, mehr die nasse Fotze der Schlampe in Dir zu spüren, als die Contenance der Dame Olivia im Stande wäre, wieder zu relativieren, denn schließlich gibt es ja noch mich.“
Als ob sie sich ihrer Beobachtung sicher sein wollte, begann sie plötzlich eine Hand auf meinen Schritt zu legen und die massierenden Bewegungen zu übernehmen.
„Doch unabhängig von ihm.“, setzte ich begeistert fort.
Ohne ihren Blick von meinem durch die Hose hindurch deutlich abzeichnenden Echo zu nehmen, hörte sie weiterhin aufmerksam zu.
„Ich möchte, dass Du weißt, dass ich pure Erregung empfinde, sobald sich ein anderer für Dich interessiert, noch dazu, wenn Du Dich auf Annäherungsversuche einlässt und möglichst eindeutigen Avancen mit einem anschließenden Flirt entsprichst, wenn Du Dich gewohnt provokativ ins Leben stürzt und eben diesen Avancen mit einem noch viel gewagteren Zug zu mehr Auftrieb verhilfst.“
Ich wollte sie mit aller Macht endlich in diese eine Richtung stoßen, um Erlösung zu erhalten. Für mich. Für sie. Für uns beide. Nachdem ich begonnen hatte, mein Innerstes nach außen zu kehren, blickte ich mit einem Mal nur noch auf ihren Hinterkopf und folgte der Lust die sie verursachte, als sie nach dem langsamen Öffnen der Hose mit ihren Lippen meinen Schwanz umschloss.
„Ich möchte, dass Du weißt, dass ich diese Schlampe in Dir unheimlich begehre, möchte, dass Du weißt, dass ich es liebe, wie sie es versteht, Hoffnungen zu schüren, mit denen sie sowohl mir, als auch anderen gestattet, bis kurz vor eine intime Schwelle zu treten, nur um uns kurz darauf in unseren triebvollen Erwartungen furchtbar zu enttäuschen.“, stöhnte ich schließlich nur noch um so mehr und übergab mich den erlösenden Zuckungen, mit denen ich mich augenblicklich später in ihrem Mund ergoss.
In den darauf folgenden Tagen blieb jeder für sich allein. Doch auch wenn wir uns nicht sahen oder hörten, in Gedanken war ich ständig bei ihr. Was wie ein kleiner Schneeball los gerollt war, war offenbar in einer gewaltigen Lawine geendet, die scheinbar mühelos alles unter sich begraben hatte.
Ich bekam Angst. Davor, dass sie sich fortan distanzierte, dass sie sich mir bis zur Unkenntlichkeit entzog. Die aufkommenden Zweifel vehement ignorierend, sagte ich mir, dass sie sich bald wieder meldete. Das Warten fiel mir schwer. Alles oder nichts!