comment 0

About Olivia /// Das verschwommene Gefühl

Sommerferien. Weit weg von zu Hause irgendwo am Meer. Für mich bedeutete die Anwesenheit an diesem Ort, zu Hause nicht erwünscht zu sein, regelrecht verbannt zu sein. Während dieser Zeit lernte ich ein anderes Mädchen kennen, ein Mädchen, der es augenscheinlich ebenso ging und verbrachte die meiste Zeit mit ihr.
Wir versuchten, das Beste aus unserem Dasein zu machen, schließlich war halbes Leid geteiltes Leid. Während sich die anderen von Anfang an draußen beschäftigten, hielt es uns die meiste Zeit drinnen.
Unsere Doppelstockbetten waren prädestiniert für Spiele, sowohl auf dem Boden, als auch in luftiger Höhe und so sorgte unsere kindliche Phantasie dafür, dass unsere Betten fortan keine Betten mehr waren, sondern kleine Gebäude, bei denen es galt, den Fußboden nie mehr wieder zu berühren.
Unsere Matratzen fortan keine Matratzen mehr, sondern schwere Platten, die wir versuchten, im Laufe der Spiele über uns zu legen und uns durch die Bewegungsunfähigkeit des anderen zum Sieger zu erklären.

Die Verliererin musste sich der Siegerin beim nächsten Mal vollkommen nackt stellen. Angesichts der heißen und stickigen Luft eine regelrecht willkommene Strafe.
Je mehr darauf hinwies, dass ich Gefahr lief, ein Spiel zu verlieren, desto intensiver spürte ich dieses besondere, bis dahin durchweg verschwommene, jedoch auch alles andere als unangenehme Gefühl.
Und so kam es, dass ich das Verlieren regelrecht provozierte, nur um ein weiteres Mal in den Genuss dieser geheimnisvollen und doch so angenehmen Tiefe zu kommen.
Je öfter ich verlor, desto häufiger bemerkte ich zudem ihre Blicke, gar Berührungen, die wie zufällig anmutend meinen Körper streiften. Die Gründe dafür lagen im Heute betrachtet sicher in der Neugier am eigenen Geschlecht, als in einem Interesse an einer Liebe, doch die Tatsache, dass sie mich auf diese Weise fortan erkundete, sorgte für einen weiteren, lieb gewonnenen Reiz.
Es kam die Nacht, in der unser Schicksal schließlich besiegelt werden sollte, denn unsere eigenwillige Verbindung war bei den anderen nicht unbeachtet geblieben. Unsere Betreuer hatten das Zimmer kaum verlassen, wurden meine Freundin und ich plötzlich von unzähligen Taschenlampen angestrahlt.

„Seid ihr lesbisch?“, ertönte plötzlich eine Mädchenstimme. Mir war schnell klar, an wen die Frage gerichtet war. Unfähig darauf zu antworten, blieb ich jedoch still.
„Seid ihr lesbisch?“, wiederholte urplötzlich ein Junge die Frage. Vollkommen überrascht spähte ich in den dunklen, von schmalen Lichtstreifen durchschnittenen Raum.
Weshalb befand sich in unserem Raum ein Junge und dachte im selben Moment an das Zimmer nebenan.
„Nein.“, antwortete ich verlegen.
„Stellt euch auf den Tisch!“, rief er in äußerst dominantem Ton zu uns rüber.
„Warum?“, antwortete meine Freundin ängstlich.
„Ist doch egal. Einfach so.“
„Nein.“
„Stellt euch auf den Tisch!“, riefen nun mehrere abwechselnd, so lange, bis sie schließlich weinte und sich in ihrer Bettdecke vergrub. Unterdessen sie uns weiterhin aufforderten, spürte ich plötzlich genau das Kribbeln in meinem Bauch, das ich auch während unserer Spiele gespürt hatte und begann mir vorzustellen, wie ich aufstand und ihrer Forderung entsprach. Meine Vorahnung bestätigte sich wie ein wütender Orkan, denn je länger ich dieser Vorstellung folgte, desto mehr spürte ich den Wunsch, aus Phantasie Wirklichkeit werden zu lassen und setzte mich langsam auf.

Ohne den anderen, geschweige denn mir selbst in diesem Augenblick eine Erklärung hervor bringen zu können, stieg ich aus meinem Bett und kletterte vorsichtig auf den Tisch. Noch bevor ich oben angekommen war, begannen sie nur noch mich, mit ihren Taschenlampen zu erfassen. Mein Plan schien aufzugehen und versuchte zu erkennen, was sich in meiner Umgebung tat. Vergebens. Vom Licht geblendet, stand ich auf dem Tisch und spähte in den immer wiederkehrenden Schein.
„Zieh Dich aus!“, hörte ich einen anderen Jungen plötzlich sagen. Wie ein riesiger Donner schienen seine Worte in mir nachzuhallen und die Intensität dieses Gefühl‘s um ein Vielfaches zu erhöhen.
Ohne gegen ihre Forderung zu rebellieren, ohne an diesem Abend überhaupt zu rebellieren, begann ich mich vor ihren Augen auszuziehen. Unterdessen ich mich meiner Kleidung entledigte, spürte ich, dass etwas seinen Lauf nahm, dass ich nicht nachvollziehen konnte und versuchte zu verstehen weshalb. Ohne mich zu bewegen oder ein Wort zu sagen, stand ich nackt auf dem Tisch und spürte in mich hinein.

„Dreh Dich!“, rissen mich ihre Worte mit einem Mal aus der Isolation und zuckte zusammen. Ich begann mich zu drehen und mich nach allen Seiten hin zu präsentieren.
„Und jetzt bück Dich!“
Ihr Wunsch war mein Befehl!

Hinterlasse einen Kommentar